Muster der Städtebildung und des kulturellen Austausches
im östlichen Mittelmeerraum vom 3. bis zum 1. Millennium v. Chr.,
organisiert von den Universitäten Tartu und Münster,
initiiert durch das Baltic-European Research Centre for Ancient East-Mediterranean Studies
als Abteilung der Fondazione Mediterraneo
mit Sitz an den Universitäten Tartu, Estland, und Münster, Deutschland

Vorläufiges Programm

Konzept      in English

Die Ansiedlungen im östlichen Mittelmeerraum (Ägäis und Levante) besaßen einen starken multikulturellen Charakter im Altertum. So waren die Menschen Mesopotamiens und des Hethiterreiches in engem Kontakt mit der Ägäis und mit Ägypten über die Syro-libanesischen Häfen, was dazu führte, dass auf Grund dieser internationalen Kontakte die lokale Bevölkerung der Amoriter, Kanaaniter und Phönizier unter dem Einfluss der wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Neuerungen der angrenzenden Länder standen. Angezogen durch den Reichtum der Levante ließen sich Stadtgruppen der Indoarier, der Semiten und der Afro-Asiaten in diesem Gebiet nieder. Hierdurch halfen sie, eine Gesellschaft zu formen, die sich auf ein großes Angebot an gesellschaftlichen Traditionen stützt und ein faszinierendes Thema für eine wissenschaftliche Aufarbeitung bietet.

Der wesentliche Wert von Studien in der Levantinischen Archäologie besteht daraus, die Prozesse der Integration von heterogenen Elementen in komplexen städtischen, sozialpolitischen und / oder kulturellen Systemen zu untersuchen.

So hat z.B. die importierte Keramik aus Kreta, Zypern, Griechenland und eine große Menge an Luxusgütern (z.B. Siegel, Schmucksachen, Elfenbein, Bronzestatuetten usw.), die auf der Levantinischen Seite gefunden wurden, große Aufmerksamkeit auf die Tatsache gerichtet, dass der seit langem anerkannte Spät-Bronzezeitliche Internationalismus seine Vorläufer bereits in der Mitte der Bronzezeit (d.h. der Ersten Hälfte des Zweiten Jahrtausends) hatte. Die Kunsterzeugnisse von hoher Qualität des künstlerischen, kulturellen, ideologischen und religiösen Idioms, die in Wohngebieten entdeckt wurden und in Verbindung standen mit unterirdischen Grabstätten, erschienen nicht in einem Vakuum, sondern eher als der Höhepunkt eines viel längeren Prozesses der interkulturellen Bekanntschaft, von Kenntnissen und Wechselwirkungen.

Das beantragte Projekt (Workshop als Vorbereitung von sich anschließenden Surveys in Tell Tweini in 2009) soll helfen, unser Verstehen der Art und Weise, des Inhalts und der Bedeutung der interregionalen Wechselwirkungen im östlichen Mittelmeer zu verbessern und die Aufmerksamkeit zu lenken auf Hinweise auf multi-ethnische Ansiedlungen, den Fernhandel und interregionale Verbindungen im östlichen Mittelmeerraum.

Das Projekt ist eingebettet in eine größere Studie von Ägäisch-Levantinischen und Mesopotamischen Gesellschaften. Die Abteilungen für Altertumskunde in Damaskus, Syrien, der Universität Leuven, Belgien (Grabung in Tell Beydar und Tell ed-Der), der Universität Tartu (seit mehreren Jahren enge Kooperation mit der Universität Tübingen bezüglich der Ausgrabung in Qatna) und der Universität Münster (Institut für Interdisziplinäre Zypernforschungen) haben jeweils ausgezeichnete archäologische Forschungszentren, bzw. Grabungserfahrungen. Die Mitglieder der Forschungsgruppe sind daher in der archäologischen und historischen Forschung in Syrien und dem Irak sehr gut ausgebildet.

So leiteten Prof. K. van Lerberghe und Prof. J. Bretschneider die Leuven und Münster Ausgrabungen in Tell Beydar, Syrien. Zusammen mit Dr. Michel al-Maqdissi, dem Direktor der Ausgrabungen der Generaldirektion von Altertümern in Damaskus und Direktor der syrischen, archäologischen Ausgrabungen in Siyanu und Qatna, haben beide 1999 ein neues Projekt in Tell Tweini begonnen.

Während der ersten Phase des Projektes sollen internationale Workshops organisiert werden, in denen die Gelehrten, die für die verschiedenen Levantinischen und Ägäischen Gebiete verantwortlich sind, ihr Material vergleichen werden. In dieser Phase wird sich Aufmerksamkeit einerseits auf Typen von Gegenständen konzentrieren (Architektur, Töpferwaren, Zylindersiegel, Keilschrifttafeln, Metalle, usw.), die eine breitere geografische Verbreitung haben, andererseits auf Importe (z.B. auf außergewöhnliche Vorkommnisse von speziellen Waren und Töpferwaren-Typen außerhalb ihres Produktionsgebietes).

Die letzte und endgültige Phase des Projektes wird aus einer allgemeinen Synthese bestehen. Diese wird im Laufe einer abschließenden Konferenz sorgfältig ausgearbeitet, in der neue Ergebnisse präsentiert und entsprechend veröffentlicht werden sollen.