Textcorpus der neulateinischen akademischen Gelegenheitsdichtung an der Academia Gustaviana (1632–1656)

 

Im Jahre 2000 erschien an der Universitätsbibliothek Tartu die Bibliographie der Dorpater Druckschriften des 17. Jahrhundert Die Druckerei der Universität Dorpat 1632–1710. Geschichte und Bibliographie der Druckschriften (im folgenden Jaanson 2000), in der aus der ersten Tätigkeitsperiode der Dorpater Druckerei 891 Druckschriften festgestellt worden sind. Da es in diesen Druckschriften einerseits sehr viele Gelegenheitsgedichte gibt, andererseits die Druckschriften in sehr wenigen Exemplaren aufbewahrt sind, entstand am Lehrstuhl der Klassischen Philologie der Universität Tartu die Idee, die ganze damalige Gelegenheitsdichtung in einem elektronischen Textcorpus zugänglich zu machen. Den weiteren Impuls haben uns die in Europa in den letzten Jahrzehnten weitverbreiteten neulateinischen Studien gegeben, vor allem das internationale Kolloquium Erudition and Eloquence. The Use of Latin in the Countries of the Baltic Sea (1500–1800), das im August 1999 in Tartu stattgefunden ist.

Der Textcorpus enthält fast 2000 Gedichte (über 23 000 Verse). Zu den Autoren dieser Gedichte gehören die Professoren, Studenten und andere mit der Dorpater Akademie verbundenen Personen. Der Textcorpus ist in ganz Europa vor allem deshalb eigenartig, da es hier alle an einer akademischen Institution auf Latein geschriebenen und gedruckten Gedichte ungeachtet auf die Gattung oder Qualität der Gedichte vertreten sind. Damit kann dieser Textcorpus als eine Grundlage für die weiteren systematischen Studien der Gelegenheitsdichtung und des literarischen Lebens in Tartu im 17. Jahrhundert nützlich sein. Die Gedichte dürfen auch im Lateinunterricht an den Gymnasien und an der Universität benutzt werden sowie den Neulatinisten anderer Länder von Interesse sein.

Der Grund aller Forschungsprojekte der neulateinischen Sprache und Literatur ist die Arbeit mit dem Originaltext. Die meisten Dorpater Druckschriften sind in sehr wenigen Exemplaren (1–3) erhalten geblieben, diese Exemplare befinden sich in den verschiedenen Bibliotheken der Welt in der verschiedenen Lage und haben manchmal auch textuelle Unterschiede. In der Vorbereitungsphase dieses Textcorpus haben die Verfasser anhand der Angaben der Bibliographie der Dorpater Druckschriften (Jaanson 2000) die Gelegenheitsgedichte in den Originalexemplaren in der Dorpater Universitätsbibliothek, in der Estnischen Akademischen Bibliothek, in der Lettischen Nationalbibliothek und Lettischen Akademischen Bibliothek, in der Universitätsbibliothek Helsinki, in der Carolina Rediviva in Uppsala, in der Königlichen Bibliothek Stockholm und in der Universitätsbibliothek Greifswald verglichen. Wenn die Autopsie der Originalexemplare unmöglich war (es betrifft die Russische Akademische Bibliothek und die Russische Nationalbibliothek, die Universitätsbibliothek Lund, die Stadtbibliotheken in Kalmar, Karlstadt, Linköping, Västerås und Växjö in Schweden, die Königliche Bibliothek in Kopenhagen, British Library in London und viele deutsche Bibliotheken), haben wir uns auf den an die Universitätsbibliothek Tartu geschickten Photokopien aus den entsprechenden Bibliotheken unterstützt.

Obwohl von den Dorpater akademischen Druckschriften mit den Gelegenheitsgedichten in der Regel keine späteren Neuausgaben entstanden sind (die Ausnahme bilden die Gedichte einiger berühmten Personen wie z.B. Georg Stiernhielm und die estnischsprachigen Teile einiger Gelegenheitsdrucke und ‑schriften), können auch die Erstdrucke eines Werkes verschiedene Informationen enthalten, vor allem wegen der unterschiedlichen Aufbewahrungsbedingungen. Es betrifft vor allem die Gratulationen zu den Dissertationen und Reden, die oft auf den letzten Seiten der Druckschrift waren und deshalb mit den neuen Bindungsarbeiten oder einfach wegen der Abnutzung verlorengegangen sind. Aus dem Dorpater Material illustriert diese Entwicklung das Gedicht 1637.6. Neben den verlorengegangenen Seiten kennen die Forscher der frühneuzeitlichen Druckschriften auch die Löcher von Buchwürmchen, die bei dem Binden abgeschnittenen Seitenrande und andere äußeren Gründe, weshalb einige Texte teilweise oder im Ganzen unlesbar worden sind. Deshalb ist hier auf das Faksimile der Texte zugunsten der Transkription verzichtet.

Dieser Textcorpus enthält alle Gedichte aus der Periode der Academia Gustaviana,die wenigstens ein Vers auf Latein enthalten. Damit sind im folgenden auch die vielsprachigen Gedichte, die nach dem barocken Ideal der Vielwisserei und der Gelehrsamkeit gestaltet sind, zu finden. Die selbständigen Gedichte in den anderen Sprachen sind nicht vertreten.

 

Aufbau des Textcorpus

 

Der Textcorpus besteht aus den folgenden Teilen:

 

1) Die Texte der an der Academia Gustaviana geschriebenen und gedruckten Gelegenheitsgedichte mit der Über- und Unterschrift, die in der Regel sowohl den Namen des Autors und des Adressaten als auch weitere Wünsche enthalten. Obwohl in der bisherigen Editionpraxis der Gelegenheitsdichtung, besonders in den Anthologia oft auf die Über- und Unterschriften der Gedichte verzichtet wurde, haben die Verfasser dieses Textcorpus diese Teile der Gedichte nicht nur für eine Sammlung der biographischen Angaben, sondern auch vom poetischen Aspekt wichtig gehalten. Oft kann die Unterschrift eine eigenartige Selbstdarstellung des Dichters, ein Sphragis sein. Manchmal ist die Unterschrift des Gedichtes in der Versform und die Grenze zwischen dem Gedicht und der Unterschrift nicht eindeutig.

Da die genaue Schreibzeit der Gedichte nicht immer feststellbar war und deshalb als Grundlage der Reihenfolge nicht zur Frage kam, beruht die Reihenfolge der Gedichte auf der Chronologie der Druckjahre der Gedichtsammlungen. In vielen Fällen fällt das Schreib- und Druckjahr zwar zusammen, es gibt aber auch Beispiele, in den das Gedicht viele Jahre vor dem Drucken geschrieben war (z.B. 1642.33 – das Gedicht ist im Jahre 1633 geschrieben, aber erst 1642 gedruckt).[1] Alle Gedichte einer Sammlung sind nacheinander eingereiht, da in dieser Weise das strenge Einreihungsprinzip der Beiträge nach der sozialen Position der Gedichtautoren innerhalb einer Druckschrift sichtbar wird.[2] Die Gedichtsammlungen innerhalb eines Jahres sind alphabetisch anhand der latinisierten Namensform des Adressaten eingereiht. Falls dem Adressat der Familienname fehlte oder erst viele Jahre später gegeben wurde,[3] beruht die Alphabetisierung auf den Vor- und Vaternamen des Adressaten, wobei der Vorname maßgebend ist. Die vom Ortsnamen abgeleiteten Namensformen der Adressaten werden beibehalten, wenn sie zum festen Bestandteil des Namens geworden sind und auch in der Bibliographie der Dorpater Druckschriften vorkommen (Jaanson 2000). Die Frauen sind nach der latinisierten Namensform eingereiht, wenn sie in der Druckschrift so genannt wurden; sonst sind sie unter ihrer deutschen Namensform angeführt. Als Adressaten der Trauergedichte werden die gestorbenen Personen angegeben. So wurde sowohl bei den Adressaten- als auch Autorennamen die Tradition befolgt, die in den Nachschlagewerken von Arvo Tering Album Academicum der Universität Dorpat (Tartu) 1632–1710 (1984) und von E.-L. Jaanson Druckerei der Universität Dorpat 1632–1710. Geschichte und Bibliographie der Druckschriften (2000) zugrunde lag. Nicht alle kleinen Unterschiede bei der Schreibung der Namen sind registriert. Im Allgemeinen bestätigt auch dieser Textcorpus, dass die frühneuzeitlichen Gelegenheitsdichter sowohl sich selbst als auch die Adressaten mit den sehr verschiedenen Namensvarianten ansprechen konnten, wobei statt der strengen offiziellen Namensform oft von den visuell oder auditiv spielerischen Namenskombinationen ausgegangen wurde (vor allem in den Anagrammen).

Die Numeration der Verse stammt von den Verfassern. Die Über- und Unterschriften sowie die Anagrammen innerhalb der Gedichte sind nicht numeriert.

 

2) Vor jedem Gedicht stehen die bibliographischen Angaben der Druckschrift, in der das Gedicht gedruckt war. Falls die Druckschrift mehr als ein Gedicht enthält, sind die bibliographischen Informationen nur in der Titelaufnahme des ersten Gedichtes jeder Sammlung zu finden. Bei den weiteren Gedichten derselben Sammlung steht statt der vollständigen Titelaufnahme nur der Hinweis auf das erste Gedicht dieser Sammlung, bei dem die vollständige Titelaufnahme der Druckschrift gegeben ist (in den Klammern mit der Bemerkung cf. und Nummer des Gedichtes). Die bibliographischen Angaben bestehen aus dem Titel der Druckschrift, Druckort, Druckjahr und Name der Druckerei oder des Druckers. Das letzte ist wichtig, da aus dem ersten Arbeitsjahr der Academia Gustaviana eine Disputation bekannt ist, die zwar in Tartu von den Mitgliedern der Akademie gehalten, jedoch in Riga gedruckt wurde (1632.8). Es ist möglich, dass es noch weitere solche Druckschriften gibt. Genauso enthält die Titelaufnahme die Liste der Bibliotheken, in den die Druckschrift und damit auch die Gedichte, falls keine weitere Bemerkungen vorhanden sind, zu finden sind. Leider fehlen noch die Informationen, wieviele Exemplare von verschiedenen Druckschriften innerhalb jeder Bibliothek aufbewahrt sind. Auch die Bibliographie der Dorpater Druckschriften von Jaanson (2000) hat in der Regel auf diese Angaben verzichtet. Aufgrund der Autopsie ist jedoch einleuchtend, dass von einigen Druckschriften innerhalb einer Bibliothek mehr als ein Exemplar erhalten geblieben ist. Die Ergänzung dieser Angaben bleibt ein Forschungsdesiderat.

 

3) Die Gattung des Gelegenheitsgedichtes. Es wurden folgende Termini verwendet:[4] Gratulatio oder das Glückwunschgedicht zu den Ereignissen im akademischen Leben, wie z.B. die Bekleidung des Rektorenamts, die Promotion, die Disputation oder die akademische Rede; Dedicatio oder das Widmungsgedicht, das sich in der Regel auf den ersten Seiten der Druckschrift befindet und den gesellschaftlich höhergestellten oder reichen Personen gewidmet ist, um die Unterstützung der weiteren Studien oder sogar der Studienreise zu bitten; Epithalamium oder das Hochzeitsgedicht zum Beglückwünschen des Brautpaars; Epicedium oder das Trauergedicht; Epitaphium oder die literarische Grabinschrift; Propemptikon oder das Geleit- oder Abschiedsgedicht; Prosphonetikon oder das Begrüßungsgedicht an Personen, die von der Reise zurückkehren; Enkomion oder das Huldigungsgedicht, in der Regel länger als Gratulation und den gesellschaftlich höhergestellten Personen gewidmet; Genethliakon oder das Glückwunschgedicht zum Geburt oder zum Geburtstag.

 

4) Fußnoten zur Textologie der Gedichte. Dieser Teil umfasst die Hinweise auf die weiteren Editionen der Gedichte, darunter in den Faksimileausgaben, und auf alle späteren Textveränderungen. Leider war die Autopsie zum großen Teil der Gedichtanthologia des 17. und 18. Jahrhunderts den Autoren dieses Textcorpus unmöglich und deshalb sind die textgeschichtlichen Bemerkungen wohl unvollkommen. In den Fußnoten sind auch die Textverbesserungen und ‑verbesserungsvorschläge, Kommentare zu den Kronostichen, Anagrammen und Synkopen, Hinweise auf das Aufbewahren und auf das wiederholende Auftreten einiger Gedichte innerhalb des Textcorpus der Dorpater akademischen Gelegenheitsdichtung zu finden. Man findet hier auch die Informationen zu den handschriftlichen Bemerkungen und Verbesserungen in der ersten Edition der Gedichte. Da es öfters unmöglich ist, den Autoren dieser handschriftlichen Bemerkungen zu identifizieren, sind diese Bemerkungen in der Transkription nur auf diesen Stellen akzeptiert, in den die handschriftliche Bemerkung die Druck-, Grammatik- oder metrischen Fehler zu verbessern erlaubt.

 

5) Der Index der Gedichtanfänge enthält den ersten Vers aller lateinischen Gedichte und die erste Zeile aller lateinischen Prosatexte, die in diesem Corpus vertreten sind, sowie den Hinweis auf ihren Standort im Textcorpus. Aus den multilingualen Gedichten ist jeweils der erste lateinische Vers indiziert. Die Gedichtanfänge der während der Periode der Academia Gustaviana mehrmals gedruckten ganz identischen Gelegenheitsgedichte sind in diesem Index nur einmal angeführt und mit dem Hinweis auf alle Verwendungsfälle innerhalb des Textcorpus versehen (Hinweis idem). Die Gedichte, die trotz dem gleichen Anfangsvers die verschiedenen Autoren, Adressaten und den Gedichtinhalt haben, sind in diesem Index bis zum ersten unterschiedlichen Wort zitiert. Die Hinweise auf die Gedichte sind folgend: Jahreszahl.die Nummer des Gedichtes innerhalb des Jahrgangs.die Versnummer.

Bei dem Einreihen der Gedichtanfänge wurde die Majuskel- und Minuskelschrift sowie u und v bzw. i und j vereinheitlicht. ä, ö und ü sind entsprechend bei a, o und u zu finden. y kommt in den Dorpater Gedichtanfängen zwar nur vereinzelt vor, jedoch in den Wörtern, in den das Wechseln der i~y sonst selten ist. Deshalb ist y aufgrund des heutigen Alphabetes behandelt. Die Gedichtanfänge, die einzelne griechische Wörter enthalten, sind innerhalb des Index unter den entsprechenden lateinischen Buchstaben vertreten. Die teilweise lückenhaften oder zerstörten Gedichtanfänge sind am Anfang des Index vor dem Buchstabe A zu finden. Im Index ist auf die Interpunktion der Verse verzichtet.

 

6) Der Index der Abkürzungen. In der Transkription der Gelegenheitsgedichte, Unterschriften sowie in den bibliographischen Angaben zu den Druckschriften sind die originalen Abkürzungen erhalten geblieben, da es nicht nur für eine drucktechnische Sonderheit, sondern für ein typisches Stilcharakteristikum der damaligen Gelegenheitsdichtung gehalten wurde. Die Abkürzungen können nämlich ein Zeichen für das Gleichgewicht des Barockstils sein – zu den üppigen Gedankengängen und Parallelismen im Gedicht bilden die Knappheit und die Abkürzungen im Titel und in der Unterschrift einen Gegensatz. Es entsteht dank dieser Verwechslung eine eigenartige Dynamik.

 

Die in den Dorpater Geleitgedichten verwendeten Abkürzungen sind in zwei Gruppen zu teilen:

a) traditionelle Abkürzungen, teilweise schon antiker Herkunft, die im 16.–17. Jahrhundert weit verbreitet waren, z.B. S.P.P. (= salutem prosperitatemque plurimam/precor), P.P. (= Professor Publicus);

b) die von einem Autor für seine Einzelverwendung gelegentlich geschaffene Abkürzung. Diese Praxis hing z.B. vom Wunsch des Autors, seinen Namen oder Vornamen nur durch die Initialen ahnen zu lassen, ab oder war vom sehr knappen Raum am Ende der Druckschrift bedingt. Die Abkürzungen dieser Art sind nicht immer eindeutig interpretierbar und sind im Index mit dem Fragezeichen versehen.

Im Index der Abkürzungen fehlen die Abkürzungen der Eigennamen, die in den Gedichtunterschriften vorkommen und die anhand der Titelaufnahme der Druckschriften, vor allem anhand des Namens der Adressaten oder des Autors leicht zu verstehen sind. Manchmal ist dabei auch das Album Academicum der Dorpater Akademie (Tering 1984) hilfreich.

Bei der Erschließung der Abkürzungen der wissenschaftlichen Terminologie sind in der Regel die lateinischen Flexionsendungen verwendet worden, obwohl in den frühneuzeitlichen akademischen Schriften die lateinischen und griechischen Formen nebeneinander hervorgetreten sind (z.B. Professor physicae/physices; logicae/logices, poesiae/poeseos etc). Es ist unmöglich zu sagen, welche Form von einzelnen Autoren abgekürzt wurde (vgl. R. Pitkäranta. ‘Zur wissenschaftlichen Terminologie einer mathematischen Dissertation in Turku 1645.’ – In: Arctos. Acta philologica Fennica. Supplementum II. Studia in honorem Iiro Kajanto. Helsinki 1985, 220).

 

7) Der Index der Orts- und Eigennamen, die in den Gelegenheitsgedichten vorkommen. Im Index der Eigennamen sind alle Namen der historischen Personen, die in den lateinischen Gedichten, Über- und Unterschriften vorkommen, zu finden. Die indirekten Hinweise, z.B. König pro Gustav Adolph sind nicht registriert. Im Index der Ortsnamen sind alle Namen der geographischen Objekte, die in den lateinischen Gedichten, Über- und Unterschriften erwähnt wurden, genannt. Die Eigen- und Ortsnamen aus den anderssprachigen Teilen der Gedichte sind in den Indizes nicht zu finden. Auf die Namen aus den Titeln der Druckschriften sind zum Vermeiden der Wiederholungen verzichtet. Auch die sich in den verschiedenen Teilen der Anagrammen wiederholenden Namen sind im Index nur einmal angeführt. In den Indizes fehlen die Namen der Gestalten und Orte aus der (antiken) Mythologie und Bibel sowie der fiktiven und literarischen Personen. Es wurde auch auf die aus den Eigennamen geleiteten Adjektiven und auf die Völkernamen verzichtet. Die heutigen Übersetzer, Herausgeber und Literaturforscher blieben unregistriert. Weitere Angaben zu diesen Bereichen sind leicht aus Tering 1984 und Jaanson 2000 zu finden.

Die Eigennamen sind in den Indizes in der latinisierten Form, d.h. so wie sie in den Gedichten und Gedichtunterschriften vorkommen, geschrieben (vgl. oben 1). Nach den Eigennamen in den Klammern stehen alle orthographischen Parallelformen aus demselben Namen, die im Textcorpus vorkommen. Für die international berühmten Personen ist im Index auch die unlatinisierte Namensform angeführt, wobei immer die entsprechenden Hin- und Rückweise verwendet wurden. Das letzte gilt auch für die Personen, deren Name sich in den Dorpater Druckschriften verändert (s. oben 3), vor allem im Zusammenhang mit der vom Ortsnamen abgeleiteten Form, wenn sie zum festen Bestandteil des Namens geworden ist (z.B. Stregnensis, Johannes Erici vide Johannes Erici <Stregnensis>). Die Frauen sind analog nach dem Vorname und Vatername und falls möglich, auch nach dem Familienname ins Register eingetragen.

Für die Alphabetisierung der Eigennamen s. oben 5 (Index der Gedichtsanfänge).

Falls die Versnummer fehlt, kommt der Name in der Gedichtüber- oder Gedichtunterschrift vor, die Bemerkung An weist auf das Vorkommen im Anagrammteil des Gedichtes hin. Die Hinweise im Fettdruck sind für die Gedichtautoren verwendet. Die Kursive wurde benützt, wenn der Name des Autors oder des Adressaten nur in der Titelaufnahme der Druckschrift und nicht im Gedicht selbst, in der Gedichtüberschrift oder Gedichtunterschrift vorkommt.

Zu den Abkürzungen und andere Zeichen in den Indizes s. unten VI.

Das sprachliche, stilistische, metrische, literarische sowie historische Kommentar hat in dieser Arbeitsphase nicht zu den Aufgaben der Verfasser gehört.

 

Die Prinzipien der Edition

 

I. Orthographie

 

Die originale Orthographie der Gedichte ist unverändert beibehalten. Die orthographischen Kenntnisse der Dorpater Autoren des 17. Jahrhunderts wurden für keine eklektische Widerspiegelung der klassischen lateinischen Orthographie gehalten, sondern als damalige Auffassung von der Etymologie und lexikalischen Parallelformen behandelt. Es gibt im Textcorpus der Dorpater Gelegenheitsdichtung jedoch weder eine einheitliche orthographische Tradition, festbegrenzte Autorengruppierungen anhand der Verwendungsweise der Orthographie noch eine eindeutige orthographische Entwicklung nach den Autoren oder Sammlungen. Anhand einiger sehr kurzen und zeitlich zerstreuten Gedichte, deren Rechtschreibung ganz der heute üblichen Orthographie des klassischen Lateins entspricht, kann ein umgekehrter Eindruck entstehen, jedoch handelt es sich in dieser Textgruppe nur um einen geringfügigen Teil des ganzen Textcorpus und es fehlen in diesen Gedichten die markantesten Wörter, in denen die orthographischen Eigentümlichkeiten des 17. Jahrhunderts üblicherweise vorkommen (z.B. oe~ae~e; ij~ii~y; qu~qv; su~sv usw.). Es ist eher typisch, dass ein Dichter innerhalb eines Gedichtes ein Wort in der zwei-drei verschiedenen orthographischen Weisen schreibt.

Auch in den Gedichten in den anderen Sprachen ist die originale Orthographie beibehalten.

 

II. Diakritische Zeichen und Ligaturen

 

Da es im Gebrauch der diakritischen Zeichen wie accentus gravis, accentus levis und circumflexus bei den Dorpater Autoren oder Sammlungen kein originales System oder keine eindeutige Entwicklung gibt,[5] wurde in dieser Transkription in den lateinischen Gedichten auf die diakritischen Zeichen verzichtet. Nur die diaeresis ist beibehalten, da sonst einige metrische Unklarheiten in den Texten entstehen würden.

In den griechischen Gedichten wurden die originalen diakritischen Zeichen beibehalten.

Fast alle Ligaturen sind aufgelöst (&, q;, ¿, œ, linea nasalis und auslautende –9 ), die einzige Ausnahme ist der Apostroph in den Fällen wie vin’ (= visne), da hier die Auflösung der Ligatur die metrische Unklarheit verursachen konnte.

Die Figurengedichte wie die poetischen Urnen, Mützen usw. sind in der originalen Weise reproduziert.

 

III. Interpunktion

 

Die rhetorische Interpunktion des 17. Jahrhunderts ist nicht modernisiert, um die von den Dichtern markierten rhetorischen Pausen sowie besonders betonten Versteile und Wörter beizubehalten. Diese Interpunktionsart kann in der Interpretation der Gedichte helfen und besonders in der Diskussion über die mündliche Darstellungsart der Gelegenheitsgedichte ein Argument sein. Diese Praxis entspricht nicht dem heutzutage in den Editionen der neulateinischen Texte weitverbreiteten Tradition, in der die syntaktische (oder grammatische) Interpunktionsweise befolgt wird, um das Lesen der neulateinischen Gedichte den Lesern möglichst leicht zu machen. Mit der syntaktischen Interpunktion geht aber ein sehr typisches Charakteristikum der frühneuzeitlichen Schreibweise verloren.

 

IV. Druckschriften

 

Die Majuskel- und Minuskelschrift sowie die großen Anfangsbuchstaben des ersten Druckes sind in der Transkription der Gedichttexte erhalten geblieben. In den Titelaufnahmen der Druckschriften ist die Praxis der Bibliographie der Dorpater Druckschriften von E. Jaanson (Jaanson 2000) befolgt und der Gebrauch von verschiedenen Druckschriften und Schrifthöhen vereinheitlicht. Die verschiedenen Höhen der Majuskelschrift wurden in der Regel auf eine Höhe normalisiert außer den Chronogrammgedichten, in den die hervorgehobenen großgeschriebenen Einzelbuchstaben auf der Ebene des Intextes als Zahlbuchstaben eine zusätzliche Bedeutung haben (z.B. 1651.64).

Die verschiedenen Typen der Druckschrift wie die Kursive, die gotische Schrift usw. sind beibehalten, da es besonders in den Sammlungen von vielen Autoren, d.h. Händen ein wichtiges manieristisches Stilcharakteristikum ist. Verschiedene Druckschriften geben die Handschriften von verschiedenen Dichter, also die Vielfalt der Wünsche und der Autoren weiter. Die Abwechslung der verschiedenen Druckschriften ist auch innerhalb eines Gedichtes beibehalten. Hier kann die Abwechslung der Druckschrift verwendet worden sein, um den Namen des Adressaten oder der anderen im Gedicht erwähnten Personen hervorzuheben; oft sind das Wort Deus, die Zitate und Paraphrasen aus den anderen Werken sowie die Schlüsselwörter des Gedichtes so markiert. Besonders typisch ist das Hervorheben der anagrammatischen Einzelwörter im Laufe des Gedichttextes in der Majuskelschrift.

 

V. Schreib- und Druckfehler

 

Die Produktion der Dorpater Universitätsdruckerei wurde anhand der Satzung der Akademie von zwei Inspektoren der Druckerei zensiert. Die Inspektoren wurden von den Professoren der Universität gewählt. Die Satzung der Academia Gustaviana erwähnt jedoch nicht, ob auch die technische und sprachliche Korrektur der Druckschriften zu den Aufgaben der Inspektoren gehört hat (Constitutiones Academiae Dorpatensis [Academia Gustaviana]. Tartu Akadeemia [Academia Gustaviana] põhikiri. Tartu: Tartu University Press 1997: 68–69). Deshalb ist es unmöglich zu sagen, in welcher Etappe die Fehler in den Dorpater Druckschriften entstanden sind.

Die Druckfehler sind in der folgenden Transkription korrigiert. Im kritischen Apparat sind nur einige Druckfehler im Rücksicht auf Interpretationsfragen angegeben. Der Anteil der Druckfehler ist in verschiedenen Jahren unterschiedlich, jedoch gibt es kein eindeutiges jährliches Verhältnis zwischen der Gesamtzahl der Druckschriften und der Druckfehler. Besonders viele Druckfehler gibt es in den Gedichten aus den Jahren 1647 und 1654.

Die Haupttypen der Fehler sind folgend:

a) der Buchstabe ist durch einen anderen Buchstaben ersetzt (besonders oft u~n, m~n) – 31 Fälle;

b) der Buchstabe fehlt, auch in den Eigennamen – 21 Fälle;

c) der Buchstabe ist hinzugefügt –11 Fälle.

Andere Typen der Druckfehler sind selten: der Buchstabe, die Silbe oder das Wort kann doppelt geschrieben sein; die Metathese der Buchstaben und der Silben (z.B. fecilius pro felicius); die Wörter können zusammengeschrieben sein; innerhalb des Wortes kann ein oder ein anderer Buchstabe großgeschrieben sein, obwohl es sich um kein Chronogramm oder keinen anderen spielerischen Gedichttyp handelt; die unlogische oder Doppeltinterpunktion am Ende des Gedichtes.

 

VI. Textkritische Zeichen und Abkürzungen

 

Im kritischen Apparat wurden folgende Zeichen und Abkürzungen benützt: <…> = textus corruptus

<verba> = supplenda

[ ] = Photokopie

 

B = Latvijas Nacionâlâ Bibliotçka, Rîga

BL = British Library, London

BRAN = Bibliothek der Russischen Akademie der Wissenschaften, Sankt Petersburg

cf= confer

corr = correxi

EAB = Estnische Akademische Bibliothek, Tallinn

ed = editio

edd = editiones

D = die Abteilung der Handschriften und alten Drucke der Universitätsbibliothek Tartu, Tartu

fortasse = Verbesserungsvorschlag der Editoren

Greifswald UB = Universitätsbibliothek Greifswald

Göttingen UB = Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

H = Helsingin yliopiston kirjasto, Helsinki

Halle UB = Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle

Interp = interpungit, Verbesserungsvorschlag der Editoren hinsichtlich der Interpunktion

Jena UB = Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Jena

Kalmar StB = Kalmars Stadsbibliotek, Kalmar

Karlstad StB = Karlstad Stadsbibliotek, Karlstad

Kobenhavn KB = Det Kongelige Bibliotek, K¸benhavn

L = Lunds Universitetsbibliotek, Lund

LAB = Latvijas Akademiskâ Bibliotçka, Rîga

Li = Stifts- och landsbibliotek Linköping, Linköping

Linköping StB = Stifts- och landsbibliotek Linköping, Linköping

LNB = Latvijas Nacionâlâ Bibliotçka, Rîga

Lund UB = Lunds Universitetsbibliotek, Lund

R = Latvijas Akademiskâ Bibliotçka, Rîga

RNB = Russische Nationalbibliothek, Sankt Petersburg

Rostock UB = Universitätsbibliothek Rostock, Rostock

S = Kungliga Biblioteket, Stockholm

SA = Tallinner Stadtarchiv

SKB = Kungliga Biblioteket, Stockholm

SKSK = Suomalaisen Kirjallisuuden Seuran kirjasto, Helsinki

T = die Baltica-Abteilung der Estnischen Akademischen Bibliothek, Tallinn

Tallinn SA = Tallinner Stadtarchiv

Tartu UB = Universitätsbibliothek Tartu, Tartu

U = Uppsala Universitetsbibliotek Carolina Rediviva, Uppsala

UUB = Uppsala Universitetsbibliotek Carolina Rediviva, Uppsala

Västerås StB = Västerås stadsbibliotek, Västerås

            Växjö LB = Landsbiblioteket i Växjö

 

Abkürzungen und textkritische Zeichen in den Indizes der Eigen- und Ortsnamen:

ad marg.ad marginem;

An – der Name kommt im Anagramm vor; An1 und An2,falls in einem Gedicht mehrere Anagramme gibt;

civ.civitas;

fl.fluvius, ‘Fluss’;

nob.nobilis;

passim – der Name kommt in allen Versen vor;

Upsal.Upsaliensis, um die Flüsse Sala in Uppsala und Saale in Deutschland zu unterscheiden.

 

Dieser Textcorpus ist dank der Unterstützung der Estonian Foundation of Science (Projekt 4639) entstanden. Wir danken auch E.-L. Jaanson (Universitätsbibliothek Tartu, Abteilung der Handschriften und der alten Drucke), Prof. H. Helander und Dr. M. Berggren (Universität Uppsala, Institut der Klassischen Sprachen), Prof. P. G. Schmidt (Albert-Ludwig-Universität Freiburg i. Breisgau, Seminar für Lateinische Philologie des Mittelalters), Dr. J. Krçsliòð aus der Königlichen Bibliothek Stockholm, Dr. Chr. Petrick aus der Universitätsbibliothek Greifswald, Dr. T. Lind aus der Universitätsbibliothek Lund sowie allen wissenschaftlichen Mitarbeitern in den Lesesaalen der Abteilungen für Handschriften und der alten Drucke in der Universitätsbibliothek Tartu, in der Lettischen Akademischen Bibliothek und Lettischen Nationalbibliothek und in der Universitätsbibliothek Uppsala. Unser Dank gilt auch allen Kollegen am Lehrstuhl für Klassische Philologie der Universität Tartu, besonders Mag. M. Lepajõe, Mag. J. Päll und Mag. I. Volt. Bei den Problemen mit Computer hat uns teilweise A. Keskrand geholfen.

 

Verfasser Jana Orion und

Kristi Viiding



[1] Einige Gratulationen sind nicht zum mündlichen Vortrag der Disputation oder der Rede, sondern erst kurz vor dem Drucken der entsprechenden Disputation oder Rede gedichtet, z.B. 1637.1 – die Leichenrede ist zwar 1634 gehalten, wurde aber genauso wie die dazugehörende Gratulation erst 1637 gedruckt (der Gratulierende L. Ludenius kam in Tartu erst im Herbst 1635 an, so ist es einleuchtend, dass die Gratulation erst zur Veröffentlichung der Rede und nicht zum mündlichen Vortrag geschrieben werden konnte.

[2] Eine Ausnahme bilden die Widmungsgedichte am Anfang der Druckschriften, die wegen der unterschiedlichen Adressaten nicht vor den anderen Gedichten derselben Sammlung stehen, sondern anhand des Adressatennamens in der allgemeinen alphabetischen Reihe jedes Jahres zu finden sind.

[3] Z.B. wurde im Jahre 1642 die Namensform Benedictus Haraldi benützt, da diese Person seinen Familiennamen Igelström erst 1645 erhalten hat.

[4] Als Grund der Verwendung der Gattungsnamen wird benützt J. IJsewijn, D. Sacré, Companion to Neo-Latin Studies. Vol. II. Leuven: Leuven University Press & Peeters Press, 1997, 100-103.

[5] Zwar gibt es in den Gedichten der späteren Jahrgänge eine leichte Tendenz zum Vermeiden der diakritischen Zeichen.